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OSTERHOLZ-SCHARMBECK. Romantisches Kerzenlicht, gedämpfte Strahler - eine zerbrechlich wirkende Frau betritt in rot-wallendem Kleid die Bühne von Gut Sandbeck. Cécile Corbels schmales Gesicht ist von ihrem ebenso rot-wallendem Haar fast verdeckt. Auf Einladung der Folkinitiative spielt sie auf Gut Sandbeck auf der Harfe und singt dazu. Begleitet wird die junge Französin von Cyrill Maurin (Gitarre) und Pascal Boucaud (Bass). Traditionelle Musik aus der Bretagne - ihrem Heimatland, aber auch Stücke aus England, Amerika oder der Türkei standen am Sonnabend auf dem Progranm. Neben Klassikern der Folksongs spielte Cécile Corbel auch eigene Kompositionen, wie das Lied über die Piratin Maria, deren Lebensgeschichte sie besonders faszinierte.Stille verbreitete sich im Saal, wenn Corbel mit zurückhaltender Stimme zwischen den Musikstücken halb in Englisch, halb in Französisch, nur das Notwendigste mit dem Publikum sprach. Dann legte die junge Frau ihre Wange an die Harfe, zupfte an den Saiten und ließ ihren Gesang erklingen. Die Töne der Harfensaiten erfüllten die Große Scheune. Cécile Corbels Stimme schien sich wie eine zweite Harfe einzufügen in die filigrane Musik. Vielleicht brachte genau der Kontrast zwischen den dunklen Eichenbohlen und dicken Mauern des altes Gutes die Zartheit der jungen Frau und ihrer Musik besonders zum Ausdruck. So mancher im Publikum schloss im schummerigen Zuschauerraum die Augen, um die feinsinnige Atmosphäre besser aufnehmen zu können.Cécile Corbel hatte versierte Weggefährten an ihrer Seite. Cyril Maurin ergänzte je nach Bedarf mit der Gitarre die Klänge der Harfe als zweite Stimme oder sorgte für eine gute Grundlage. Dabei zeigte der vielseitige Gitarrist sich als Könner seines Berufes. Auch Pascal Boucaud nutzte den Bass abwechselnd zur Untermalung oder zur Herstellung sphärisch-tiefer Klänge.Die Folkinitiative hatte dafür gesorgt, dass die Zuschauer ein stimmiges Ambiente für Cécile Corbels Musik geliefert bekam. Kerzen waren in den Räumen verteilt, ein Leuchter mit roten Stabkerzen flackerte auf der Bühne. In der Pause konnte sich das Publikum bei einem gemixten Cocktail von der Bar-Crew des Kulturzentrums am Kleinbahnhof verwöhnen lassen.Mit Cécile Corbel hatte die Folkinitiative fast zehn Jahre nach ihrer Gründung zum ersten Mal eine Künstlerin aus der Bretagne zu Gast, die sich der keltischen Kultur verschrieben hat und auch andere Traditionen mit einbezieht. Das Publikum in der ausverkauften Scheune honorierte diese Premiere mit lang anhaltendem Applaus, so dass Cécile Corbel drei Mal sagen musste "Das ist jetzt aber das letzte Lied", bevor die Zuschauer sie von der Bühne entließen.Cécile Corbel ist in Frankreich seit einiger Zeit besonders beliebt und hat schon zahlreiche Auslandstourneen hinter sich. Sie gilt als eine populäre Vertreterin des keltischen "Pop-Folk". In der Bretagne geboren, zog sie als Puppenspielerin mit ihren Eltern über Land, spielte Gitarre und entdeckte die Harfe später für sich. Zum Gesang entschied sie sich erst im späteren Verlauf ihrer Karriere.
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